Die Flohrmühle in Eschede

Flohrmühle opt

Flohrmühle optEin kleines Wirtschaftswunder in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts: Die deutsche Reichsregierung unter Kaiser Wilhelm I. fordert von Frankreich nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 hohe finanzielle Kriegsentschädigungen. Dieses gewonnene Kapital wird in die Wirtschaft investiert und führt zu einem wirtschaftlichen Aufschwung im Reich. In den Jahren 1870 bis 1873 werden viele Firmen gegründet, die Getreideproduktion steigt, weil die Verbrauchernachfrage wächst.

Auch Eschede profitiert von diesem Aufschwung. Immerhin gibt es in Eschede neben der Einödstation Unterlüß und der Stadt Celle seit 1847 den einzigen Bahnhof im Landkreis. Die Chaussee zwischen Uelzen und Celle, die heutige B 191, wird ausgebaut und erweitert und damit vergrößern sich die Verkehrs- und Handelswege.

1874 ergreift der Müller und späterer Ortsvorsteher Carl Heyer seine Chance und baut neben dem Glockenkolk in Eschede eine Windmühle vom Typ „Erdholländer“. Während die Kappen der im Küstengebiet überwiegenden „Gallerieholländer“ durch eine Windrose gedreht werden, wird die Balkenkonstruktion der Mühle in Eschede per Hand betrieben.

Der Sohn Carl Heyers, Carl-Wilhelm, verkauft die Mühle 1907 an den Müller Gustav Flohr. Nach ihm wird bis heute die Mühle benannt. 1937 baut die Familie Flohr nebenan eine größere Mühle, die Eschede „Musenmöhl“. Leider verkommt die alte Windmühle dann zur Abstellkammer und dient nach dem Zweiten Weltkrieg als Notunterkunft für Flüchtlinge. Von da an verfällt sie.

1977 kauft die Gemeinde die „Flohrmühle“ und beginnt in den darauf folgenden Jahren mit aufwendigen Renovierungsmaßnahmen. Am 24. April 1981 können die Escheder die Wiedereinweihung feiern. Seither wird die „Flohrmühle“ für Ausstellungen benutzt und das eigentliche Schmuckstück ist das Trauzimmer des Standesamtes in der mittleren Etage. Die erste Trauung findet am 15. Mai 1981 statt. Es sind Einwohner der Gemeinde Eschede und auch Auswärtige, die sich hier das Ja-Wort geben.

Und so zeigt sich die Mühle immer wieder mit einer Wäscheleine mit Kinderbekleidung umwickelt. Bei diesem Brauch müssen die Jungvermählten die Wäsche fein säuberlich abhängen, schon mal zu Übungszwecken.

  • Eva Storrer

 

 

Das Örtliche - Die Auskunft für Ihren OrtDas Örtliche - Die Auskunft für Ihren Ort