Landkreis Celle informiert gemeinsam mit CeBus über Hilfen gegen häusliche Gewalt

Bus(c) Landkreis Celle

Der Bus wurde kostenfrei von CeBus zur Verfügung gestellt um Hilfsmöglichkeiten mobil darzustellen. Federführend für das Projekt ist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Bianka Lawin, die mit Unterstützung des Landrates Klaus Wiswe und in Kooperation mit Cebus, der Polizei, des Allgemeinen Krankenhauses (ProBeweis), der Frauenhäuser und der Beratungsstelle das Busprojekt umsetzen konnte.

Der Bus wird auf unbestimmte Zeit unterschiedliche Routen fahren, so dass die Informationen der Anlaufstellen den gesamten Landkreis erreichen.

Initiiert wurde das Busprojekt von der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Harburg und zwei weitere Busse werden ebenfalls in Zukunft in Uelzen und  in Lüneburg fahren. Durch die enge Vernetzung und Zusammenarbeit der Gleichstellungsbeauftragten in Niedersachsen sollen auch in weiteren Städten und Landkreisen ähnliche Busprojekte zur Information eingesetzt werden.

Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung. Häusliche Gewalt ist keine Familienstreitigkeit oder ein Beziehungskonflikt, sondern eine kriminelle Handlung, für die der Gewalttäter zur Verantwortung gezogen werden kann. Häusliche Gewalt ist ein klarer Verstoß gegen das Recht des Menschen auf körperliche und seelische Unversehrtheit.

Allein in Celle wurden in der Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) in den letzten drei Jahren 733 Fälle zu häuslicher Gewalt bearbeitet.

Die Ausübung von Gewalt dient dazu, Kontrolle und Macht über eine andere Person auszuüben. Häusliche Gewalt zeigt sich dabei nicht nur durch körperliche Gewalt, sondern auch als psychische Gewalt, wie Entwertung, Demütigungen und Zerstörung des Selbstwertgefühls. Sexualisierte Gewalt beinhaltet jede Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung.  Ökonomische Gewalt äußert sich darin, dass Einkommen allein zu kontrollieren, Schulden anzuhäufen oder auf den anderen abzuwälzen. Oft werden auch die Kinder instrumentalisiert, z.B. mit der Drohung die Kinder wegzunehmen, Kindern Gewalt anzutun oder sie zu manipulieren.

Viele gewalttätige Personen üben die Gewalt nur in der Beziehung oder in der Familie aus, der soziale Raum, der eigentlich Vertrautheit und Sicherheit vermitteln soll. Das Zuhause ist kein rechtfreier Raum. In keinem anderen Sektor der Gesellschaft ist die Sicherheit von Frauen und Kindern so schlecht gewährleistet, wie im familiären Kontext. 90% aller statistisch erfassten Gewalttaten finden im Familien- und Bekanntenkreis statt.

Gewalttätige Menschen sind nicht erkennbar, sondern wirken nach außen oft freundlich. Das führt dazu, dass Betroffene verunsichert sind und Angst davor haben, dass ihnen niemand glaubt, was zu Hause passiert. Gründe der Gewalt sucht die Tatperson nicht bei sich, sondern bei der Partnerin/dem Partner oder den äußeren Umständen (Probleme bei der Arbeit, Alkohol, durch die Beziehungsperson provoziert…). Häufig ziehen sich Betroffene zurück, was die Macht der Tatperson noch vergrößert. Isolation von Freunden und Familie, die Geheimhaltung bis zu Arbeits- und Kontaktverboten sind meistens Bestandteil häuslicher Gewalt.

Familie, Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen können unterstützen, indem sie zuhören, an Beratungsstellen verweisen, Hilfe organisieren und gegenüber der Tatperson vermitteln, dass sie Gewalt nicht akzeptieren.

Schwerwiegende persönliche Entscheidungen,  wie ein Umzug, die Beendigung einer Beziehung oder der Wechsel einer Arbeitsstelle fallen vielen Menschen sehr schwer. In dieser Situation sind auch von Gewalt Betroffene. Sie haben oft die Hoffnung, dass die Gewalt aufhört. Viele Frauen fühlen sich auch verantwortlich für das Gelingen der Beziehung und des Familienlebens. Sie wollen oft den Kindern nicht den Vater nehmen, wissen nicht, wie die Trennung funktionieren kann, wenn sie ökonomisch abhängig sind, machen sich Sorgen um die Zukunft als Alleinerziehende, haben Angst vor einem sozialen Abstieg. Häufig gelingt deshalb die Trennung, bzw. die Beendigung aus der Gewaltbeziehung erst nach mehrmaligen Versuchen.  Durchschnittlich versuchen betroffene Frauen mehr als dreimal Hilfe von außen zu erhalten.

Das Beenden einer Gewaltbeziehung kostet Kraft und braucht Mut. Die Gefahr in der Trennungszeit ist am größten. Häufig steigt die Gewaltbereitschaft.

Viele Institutionen unterstützen Betroffene, wie

  • Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt (BISS), informieren und beraten Betroffene zu ihren rechtlichen Möglichkeiten und Schutz,
  • Frauenschutzhäuser, die Frauen mit ihren Kindern Schutz, Unterkunft und Unterstützung gewähren,
  • die Polizei und Justiz, die vor weiterer Gewalt schützt,
  • CIP, Täterberatungsstellen, die Beratung anbieten, um Verantwortung für das gewalttätige Verhalten zu erarbeiten,
  • ProBeweis, im AKH, um bei gerichtlichen Verfahren ärztliche Atteste vorlegen zu können, auch wenn die Polizei nicht einbezogen ist.

Jeder hat das Recht auf ein gewaltfreies, selbstbestimmtes Leben. Für Kinder bedeutet das auch eine Chance eine Familienatmosphäre ohne Gewalt zu erleben. Die Befreiung aus einer Gewaltbeziehung ist ein Gewinn an Gesundheit, Selbstvertrauen und Lebensqualität.

Gewalttätiges Verhalten wird in der Öffentlichkeit oft verharmlost und durch äußere Anlässe entschuldigt. Vorurteile und Mythen erschweren es Frauen, die von Gewalt betroffen sind, über ihre Situation zu sprechen und verhindern angemessene Hilfe. Sie tragen dazu bei, dass Frauen die Schuld bei sich suchen und schweigen aus Angst und Scham oder einfach aus Unwissenheit hinsichtlich ihrer Rechte.

Hilfen in Stadt und Landkreis Celle – 24h erreichbar

Unfallchirurgie –  Allgemeines Krankenhaus Celle

ProBeweis  05141 / 72-2950 oder 72-0 (Zentrale)

Beratungs- und Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt

BISS 05141 / 21 44 44

Frauen- und Kinderschutzhaus

Haus der Familie 05141 / 66 33

Anonymes Frauenhaus Celle e.V.

Frauenhaus 05141 / 257 88

In dringenden Notfällen

Polizei 110

Bundesweites kostenloses Hilfetelefon: 0800 116 016 www.hilfetelefon.de.

Quelle: Landkreis Celle

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